Wie diese Geschichte begann...

Wie diese Geschichte begann...

Wie diese Geschichte begann...

November 2016 - Juli 2017


>> Meningeome sind fast ausschließlich gutartige, langsam wachsende Tumoren, die von den Deckzellen der Arachnoidea ausgehen. Der Tumor bleibt lange symptomlos und ist deshalb nicht selten ein Zufallsbefund. In der Bildgebung zeigt sich der rundliche Tumor scharf begrenzt mit einer ausgeprägten Kontrastmittelanreicherung und erinnert damit an einen Schneeball. Bei alten Patienten mit langsam wachsenden Tumoren sind Verlaufskontrollen ausreichend, in allen anderen Fällen ist in der Regel eine operative Entfernung des Tumors indiziert. (Amboss; Wissen für Mediziner)<<

Wenn den ersten Worten der Radiologin, die mir den Befund meines MRTs erklärte, diese simple Erklärung gefolgt wäre, dann wäre ich vielleicht nicht nach Verlassen der Praxis erstmal in Tränen ausgebrochen und hätte keinen halben Tag gebraucht, um mich wieder einigermaßen zu beruhigen.

Aber gehen wir doch erstmal noch ein kleines Stück zurück...

Im November 2016 hatte ich plötzlich eine Art Hörsturz, bei dem mir nicht schwindlig wurde, keine Kreislaufprobleme auftraten und auch kein Knallereignis vorangegangen war, sondern "nur" das Gehör auf dem linken Ohr verschlechtert war und ich das Gefühl hatte, ich höre alles um mich herum wie durch eine Dose. Bei Messung meiner Hörfähigkeit zeigte sich, daß lediglich zwei Bassfrequenzen gemindert waren, aber alles andere relativ normal funktionierte, auch Flüssigkeit ließ sich nicht im Ohr nachweisen. Natürlich wurde ich für ein paar Tage krankgeschrieben und bekam, soweit ich mich erinnere, Kortisontabletten verschrieben. Also blieb ich brav zuhause und gönnte mir ein bißchen Ruhe, da die HNO-Ärztin auch Stress als Auslöser vermutete und nach einer Weile war alles wieder normal und zunächst genau so plötzlich wieder weg, wie es auch gekommen war.

Leider hatte ich aber schon nach einigen Wochen erneut einen Hörsturz, wieder mit den gleichen Symptomen, wieder nach wenigen Tagen weg - und wie schon beim ersten Mal hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, daß ich gerade mit besonders viel Stress zu kämpfen hatte. 

Bis Juli 2017 hatte ich bereits 4 solcher Hörstürze hinter mir, aber es gab keinerlei Einschränkung, sobald sich diese wieder gelöst hatten und schon beim dritten hatte ich auf medikamentöse Behandlung verzichtet, da ich das Gefühl hatte, die Besserung kam auch ohne wieder - übrigens auch ohne Krankmeldung oder besondere Entspannungsphasen. Mithilfe meines Hausarztes und meines Zahnarztes hatte ich mir Massagen und KG gegen CMD (cranio-mandibuläre Dysfunktion) verschreiben lassen, da ich nachts "beiße und knirsche", weshalb ich schon seit Jahren eine Aufbißschiene tragen sollte, die ich leider zu oft nicht regelmäßig eingesetzt habe und so auch meinen Zähnen keinen Gefallen getan habe. Und die Vermutung, daß vielleicht ein Zusammenhang zwischen dem Kiefergelenk und meinen Hörproblemen besteht, war uns gemeinsam mit der HNO-Ärztin gekommen. Außerdem wollte diese nun doch noch zur Sicherheit ausschließen, daß sich vielleicht ein Problem im Gehirn, genauer im Kleinhirnbrückenwinkel befand und schickte mich zu einem MRT in eine Radiologiepraxis. 

Obwohl ich eigentlich immer versuche, mich selbst dafür zu wappnen, was bei solchen Untersuchungen vielleicht angezeigt werden könnte, hatte ich damals nicht über ein Akustikusneurinom nachgedacht oder mich belesen - das wäre ja ebenfalls ein Tumor gewesen, der auch tatsächlich für die Hörstürze hätte verantwortlich sein können. Entsprechend hatte ich allein den Begriff "TUMOR" gar nicht im Kopf (haha, das ist zweideutig...) beim MRT-Termin...

Ich wurde also im Anschluss des MRTs zu einer Radiologin hereingerufen, um kurz die Bilder zu besprechen und leider sagte diese: "In Bezug auf den Hörsturz haben wir keine Ursache finden können, aber wir haben ein Meningeom, also einen kleinen Hirnhauttumor bei Ihnen entdeckt und ich würde Ihnen vorschlagen, sich als nächstes beim Neurochirurgen vorzustellen." 

Peng...!
Das war's...!
Auf Wiedersehen...!

Leider war ich wirklich so perplex, daß ich die Praxis mit einer CD mit den Aufnahmen verließ, ohne irgendeine weitere Frage zu stellen. Und obwohl ich als gelernte Physiotherapeutin (ja, tatsächlich, ist aberlange her und ich habe auch nur sehr kurz in dem Beruf gearbeitet) genug medizinisches Fachwissen mitbringe, daß ich durchaus weiß, daß ein Tumor nicht automatisch Krebs bzw. Bösartigkeit einschließt sondern schlicht eine Raumforderung in Form einer Geschwulst bedeutet, ist das Wort für mich, wie vermutlich für die meisten Menschen doch mit einem ungewollten Schreckensbild verknüpft. So nehme ich es jedenfalls auch immer wahr, wenn ich anderen von meiner Geschichte erzähle und das Wort benutze, aber dank der eigenen Erfahrung damit auch sofort die Gutartigkeit erwähne und darauf hinweise, daß es sich damit nicht um eine Krebserkrankung handelt.

Jedenfalls liefen mir dann schon wenige Meter vor der Tür der Praxis die Tränen herunter und ich habe erstmal eine Weile gebraucht, mich wieder so in den Griff zu bekommen, daß ich über das gerade Gehörte nachdenken und meine Eltern anrufen konnte. Auch die Empfehlung, direkt einen Neurochirurgen zu konsultieren, hatte mich nervöser gemacht als nötig.

Liebe Radiologen, lasst Euch an dieser Stelle von mir sagen: so bitte nicht, das geht auch anders und bedarf zwar eines gewissen Einfühlungsvermögens, aber dabei nicht mehr Zeit - die Wortwahl ist hier aus meiner Sicht der entscheidende Faktor!


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